TRP: Denn du trägst meinen Namen

Wir alle haben einen Vater, zumindest einmal gehabt, und viele von uns tragen seinen Namen, auch wenn sich das in dieser Zeit in diesem Land verändert. Mein vererbter Familienname ist ein Kunstname, aus nahezu prophetischer Weitsicht getauscht und eingetragen, mit einer oft verschwiegenen Geschichte. Ich trage ihn gerne und ich trage ihn stolz, in Gedenken, in Verbundenheit und auch einfach nur für mich.

Die Autoren Lebert, Vater und Sohn, begleiten die Kinder einiger Nazis,  einmal in den 50er Jahren und einmal um 2000. Die Erkenntnisse, damals und später, waren für mich erschreckend, natürlich. Wie kann ein Mann die Geburten seiner Kinder nur auf den Geburtstag Adolf Hitlers versuchen abzupassen, in Hingabe an seinen eigenen Vater? Wie können Menschen so willig einen reichhaltigen Nährboden für wachsende rechte Bewegungen bieten? Die Nähe zwischen Kindern und Eltern, auch deren Ideologien, ist für mich jedoch vollkommen verständlich, da ich sie genauso empfinde. Wir alle sind geprägt, ob gut oder schlecht, von den Menschen, die uns als erstes empfingen, von Genen ganz zu schweigen.

Dieses Buch, leider nicht mehr im Druck und nur noch im Antiquariat zu erhalten, hat mich wieder einmal dankbar in den Dialog mit meinem Dad treten lassen, der ein großartiger Mensch ist, so wie ich ihn kenne. Und durch ihn konnte ich ein wenig mit meinen Vorfahren sprechen, denen ich ähnlich und fest verbunden, natürlich, und manchmal auch misstrauisch gegenüber bin. In Namen liegt ein großes Erbe – mit Teilen, die ich nicht aktiv wählen kann aber auch mit anderen Anteilen, die ich ganz klar hinterfragen und mit neuer Bedeutung belegen möchte. Und diese Balance zwischen erben und schaffen werde ich mit ziemlich hoher Sicherheit nicht durch das eines Anderen unwiderruflich eintauschen.

Besonders in dieser Zeit ein sehr empfohlenes Leseereignis!