Perspektivwechsel

Gähnend lag der Berg vor ihr in der Dunkelheit. War er je wirklich bewältigt worden? Hatte er sich je darum geschert, dass sich so viele Augenpaare beim langsamen Erklimmen gen Erde richteten, um alle Kräfte für eben jenen zu kanalisieren?

Sie war auf dem Nachhauseweg und die Kraft ihrer Schritte hatte unter der Länge des Tages nachgelassen. Ihre Augen starrten auf ihre Schnürsenkel, da ihre Füße jede Aufmerksamkeit brauchen konnten—allein hätten sie es zu dieser späten Stunde nicht geschafft. Die Zweisamkeit zwischen Aug’ und  Fuß wurde von einem Stechen beim Einatmen rigoros entblößt und sie blieb stehen. Ihre Augen hatten sich von ihren Schuhen gelöst; es hatte alles keinen Sinn.

Da flog, die Nacht durchschneidend und die Silhouette des Berges nachahmend, eine Sternschnuppe mit majestätischer Leichtigkeit durch das Universum. Als ob sie trotz der ganzen Dunkelheit keinen Wegweiser brauchte. Einfach so. Als ob ihr allein die Bühne gehörte. Nur ihr. Als ob alle Augen auf sie gerichtet waren. Jedes einzelne Paar. Als ob von ihr alles abhing.

Wie hatte sie nur so schnell aufgeben können. Hatte sie wirklich gedacht die widerspenstige Steigung des Asphalts könnte das Rot ihres Teppichs erlöschen lassen? Sie war doch die Hauptperson. Und sie wurde beobachtet—pausenlos. Mit erhobenem Kopf, energisch vorgeschobenem Kinn und dem Glitzern der Sternschnuppe im Augenwinkel  ließ sie den Berg in der Dunkelheit weit hinter sich.