Der See

-Der Kellersee in Eutin-

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

Liegt da der See in der Dämmerung – und weiß

Um jedermann Traum, Geschicht’ und Tat,

Und schweigt, verschweigt, umschweigt den Rat.

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

Naht da die Nacht heran – und weiß

Um jedes Glück, Pech, Heil und Schand’,

—versteckt sie alle, im dunklen Gewand.

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

Kniet nun der Forst umher und weiß

Um Mensch und Tier, die kamen zur Rast,

und schützt ihr Reisen als göttlicher Mast.

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

gurgelt das Ufer dahin und weiß,

um das Gekommene, Vergangene, das Sein,

und lässt sich jeden Morgen erneut drauf ein.

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

bändigt, umarmt der Tau die Welt und weiß

um das darunter, daneben und drauf

—denn alles steht doch erst morgen wieder auf.

 

Ruhig, still, leis’ und weit

Lässt der Himmel die Szene nicht entzweit

Sondern hält sie zusammen wie sehr sie gehört

Mit allem was ganz natürlich passt und stört.

 

Ruhend so still, ruhend so leis’,

schläft tief der See im Tal – und weiß

was gestern war, grad’ ist, morgen wird,

denn in den Wellen ist beides, Himmel wie Erd’.